Februar 19 2016

Wahnsinn mit vier Buchstaben – „Buch“

schreiben-macht-spassAus meiner Sicht gibt es Bücher in vier Ausführungen: das Buch, das erfolgreiche Buch, den Bestseller und das gute Buch.

 

1. Das Buch

Um es zu schreiben, benötigt man nur die Fähigkeit, Buchstaben und Satzzeichen in ausreichender Anzahl aneinanderzureihen und genügend Ausdauer. Das Ganze nennt man dann „Buch“ oder „Roman“, lässt noch – wobei das nicht zwingend erforderlich ist – die Rechtschreibprüfung von Word darüberlaufen und veröffentlicht das Ergebnis. Das kann eigentlich jeder Idiot und genau deshalb tun es auch einige.

 

2. Das erfolgreiche Buch

Seine Mindestanforderungen sind die des Buches aus Punkt 1. Hinzu kommt die Tatsache, dass sein Autor entweder einen Verlag gefunden hat, der es für ihn lektoriert und druckt oder als Selfpublisher eine nicht unbeträchtliche Anzahl an Lesern, die Geld für das Buch bezahlen. Ein bekannter Name, zum Beispiel als Autor, Dschungelcampbewohner, verkrachter Politiker oder Banker können hilfreich sein und die Auflage steigern.

 

3. Der Bestseller

Um ihn ranken sich Geheimnisse, die wohl niemals gelüftet werden können.

 

4. Das gute Buch

Der Autor eines guten Buches will kein Buch, kein erfolgreiches Buch und auch keinen Bestseller schreiben – er will das Buch seines Lebens schreiben. Und jeder Satz darin ist der Satz seines Lebens. Er schreibt es nicht, weil er der Welt etwas beweisen will, ihr etwas mitzuteilen hat, seine schwierige Kindheit für alle sichtbar aufarbeiten muss oder allen zeigen will, was für ein toller Hecht er ist. Er schreibt dieses Buch, weil er es schreiben muss.

Es lässt ihn nicht schlafen, er träumt seine Kapitel und er fährt schweißgebadet in der Nacht aus dem Schlaf, weil sich ein Komma in den Text geschlichen hat, das nicht da hingehört. Er zieht seinem Ego eins mit dem Baseballschläger über und sperrt es in die Besenkammer, damit es sich da ausheulen kann. Um die Fernbedienung seines Fernsehers zu finden, benötigt er eine Wünschelrute und der Akku seines Handys hält drei Monate.

In seinem umfangreichen Sprachschatz existiert das Wort „Party“ nicht und seine Freunde teilt er in Protagonisten, Antagonisten und Statisten ein. Er schreibt in einer Nacht zwanzig Seiten und braucht zwanzig Nächte, um eine dieser Seiten so zu überarbeiten, dass jeder Satz darin passt wie die Faust aufs Auge.

Ob das, was bei dieser Schinderei herauskommt, nur ein Buch, ein erfolgreiches Buch oder ein Bestseller ist, entscheiden am Ende Verlage und Leser.

Doch es gibt eine Entscheidung, die der Autor bereits zuvor getroffen hat, und die lautet: „Ich schreibe ein gutes Buch!“